Eine blassblaue Frauenschrift. Gelesen von Friedrich von Thun, musikalisch ergänzt von Maria Reiter.
Friedrich von Thun, aus zahlreichen internationalen Film- und Theaterarbeiten bekannt, liest jene Erzählung, mit deren Verfilmung von Axel Corti er im Jahre 1984 in der Hauptrolle seinen schauspielerischen Durchbruch erlebte.
Der jüdische Autor und lyrische Expressionist Franz Werfel, einst selbst ein regelmäßiger Besucher auf dem Semmering, zeichnet in diesem Meisterwerk die Figur eines opportunistischen Aufsteigers in einem vom Antisemitismus geprägten Wien des Jahres 1936. Dieser feiert seinen 50. Geburtstag und ist mächtig stolz darauf, alles im Leben erreicht zu haben, wovon er geträumt hatte. Als Sektionschef im Ministerium gehört er zur politischen Elite des Landes – eine gesellschaftliche Position, welche durch seine Heirat mit einer Millionenerbin maßgeblich gefestigt wurde. Eines Tages erhält er einen mysteriösen Brief, geschrieben in einer blassblauen Frauenschrift: Ein Schreiben von der Liebe seines Lebens, seiner Verflossenen aus einer einstigen Affäre, die sein Geheimnis bleiben sollte…
Der Roman ist ein Juwel seiner Zeit von einzigartiger und subtiler Sprache. Anrührend und zugleich von feinem Witz erfüllt lässt von Thun an jenem Ort, wo Werfel selbst zur Sommerfrische weilte, eine vergangene Welt ebenso präzise wie schonungslos wiedererstehen..